Eine außergewöhnliche Werft in Ouchy
Ein bewahrtes historisches Erbe
Seit 1888 befindet sich die Werft der Compagnie Générale de Navigation an einem strategisch wichtigen Standort im Hafen von Ouchy bei Lausanne. Zuvor in Morges ansässig, wo zwischen 1856 und 1886 zehn Dampfschiffe gebaut wurden, bildet diese in der Schweiz einzigartige Industrieanlage heute das Herzstück der Erhaltung der Belle-Époque-Flotte.
Die Werft verfügt über die notwendige Infrastruktur, darunter ein Trockendock für den Rumpfbau und sieben spezialisierte Werkstätten, in denen traditionelle Handwerkskunst bewahrt wird. Zimmerleute, Schiffbauer, Mechaniker, Elektriker und Schweißer arbeiten dort täglich und verbinden traditionelle Techniken mit moderner Technologie, um diesen Giganten des Genfersees neues Leben einzuhauchen.
Seltene Berufe und einzigartige Fähigkeiten
Die Restaurierung jahrhundertealter Boote erfordert selten gewordene Spezialkenntnisse. Diese Arbeiten werden gemeinsam von den Teams der CGN-Werft und externen Handwerkern durchgeführt, die ihr Fachwissen in spezifischen Bereichen einbringen. Die Arbeit an originalen Dampfmaschinen, die Instandhaltung von Schaufelrädern mit über hundert Millionen Umdrehungen oder die Restaurierung wertvoller Holzarbeiten unter Berücksichtigung des Originaldesigns erfordern hochspezialisierte technische Fähigkeiten. Diese sich ergänzende Kombination aus hauseigenem Know-how und handwerklichem Können ermöglicht es, die Authentizität dieser Schiffe zu bewahren und gleichzeitig die aktuellen Sicherheits- und Zuverlässigkeitsanforderungen zu erfüllen.
Die Baustelle öffnet regelmäßig an Tagen der offenen Tür ihre Tore für die Öffentlichkeit und ermöglicht es Besuchern, diese wenig bekannten Handwerksberufe kennenzulernen und das Ausmaß der geleisteten Arbeit zu erfassen. Diese Veranstaltungen sind sehr erfolgreich und zeugen von der tiefen Verbundenheit der Öffentlichkeit mit diesem Kulturerbe.
Die Restaurierungsmethodik
Der strenge Ansatz der Traditionsbeschaffung
Jede Renovierung beginnt mit einer entscheidenden Phase der historischen Recherche.Lake Geneva Heritage AssociationAls unverzichtbarer Partner in diesen Projekten führt [Firmenname] eingehende Archivrecherchen durch, um den Originalzustand der Schiffe zu rekonstruieren. Diese Forschung ermöglicht die originalgetreue Nachbildung der Dekoration, der Ausstattung und selbst kleinster Details, die zur Authentizität dieser Schiffe beitragen.
Für die Renovierung von " La Suisse Zwischen 2007 und 2009 führte diese Forschung maßgeblich zur Wiederentdeckung und Rekonstruktion der mit Blattgold verzierten hölzernen Galionsfiguren und Heckfiguren sowie des historischen Rettungsbootes. Diese Präzision verdeutlicht den Anspruch der Teams: die Boote nicht nur zu renovieren, sondern sie in ihrem ursprünglichen Glanz wiederherzustellen.
Ein heikles Gleichgewicht zwischen Authentizität und Modernisierung
Die größte Herausforderung jeder Restaurierung besteht darin, die historische Authentizität zu bewahren und gleichzeitig die Sicherheit und den Komfort der Passagiere gemäß den aktuellen Standards zu gewährleisten. Während die Lounges mit ihren historischen Holzarbeiten sorgfältig erhalten werden, ist die Modernisierung unter Deck abgeschlossen. Im Zuge der Renovierung des „ Italie „In den Jahren 2015-2016 beherbergte das Boot somit die Elektronik und Verkabelung eines Airbus A320, wobei es sein Belle-Époque-Aussehen beibehielt.“
Diese Dualität prägt alle Projekte. Die drei Generatoraggregate, die drei Tonnen schweren Schaltschränke und die modernen Antriebssysteme existieren neben den jahrhundertealten Strukturen. Die Handwerker müssen ständig Einfallsreichtum beweisen, um diese moderne Technik zu integrieren, ohne die historische Ästhetik der Schiffe zu beeinträchtigen.
Umfangreiche Sanierungen: Fallstudien
« La Suisse ": das europäische Vorzeigeprojekt
Die Renovierung von " La Suisse Das zwischen Oktober 2007 und Mai 2009 durchgeführte Projekt war damals die größte Restaurierung eines historischen Schiffes in Europa. Mit einem geschätzten Budget von 15 Millionen Schweizer Franken mobilisierte dieses monumentale Vorhaben über achtzehn Monate lang Dutzende Handwerker.
Der Salon erster Klasse, ein wahres Meisterwerk der Belle Époque, wurde mit größter Sorgfalt restauriert. Die exquisiten Holzarbeiten, die Skulpturen und die Leuchten wurden unter der Aufsicht des Kurators für Denkmäler und Stätten des Kantons Waadt nach höchsten Standards aufgearbeitet. Das Ergebnis ist so spektakulär, dass das Schiff nun als „das schönste Dampfschiff der Welt“ gefeiert wird.
Das " Savoie " : Pionier der Modernisierung
Das " Savoie „Dieses Schiff nimmt in der Geschichte der Schiffsrenovierungen eine besondere Stellung ein. Als die CGN 1966/1967 die Außerdienststellung mehrerer Dampfschiffe erwog, entschied man sich, dieses Schiff zu renovieren und dabei den Dampfantrieb beizubehalten. Diese Entscheidung markierte einen historischen Wendepunkt: Erstmals bekräftigte das Unternehmen sein Engagement für den Erhalt dieses Erbes, anstatt es kurzfristiger Profitabilität zu opfern.“
Die zwischen 2004 und 2006 durchgeführte Komplettsanierung, die 10,2 Millionen Franken kostete, war beispielhaft. Nur 50 % der Struktur und die ursprüngliche Dampfmaschine blieben erhalten; alles andere wurde komplett neu aufgebaut. Savoie „ wurde als erstes historisches Boot der Schweiz mit einem Bugstrahlruder ausgestattet, einer Innovation, die das Manövrieren erheblich erleichtert. Diese Technologie wird seither bei jeder Überholung systematisch nachgerüstet.“
L‘“ Italie ": Wiedergeburt nach einem Jahrzehnt des Wartens
Die Geschichte von »Italie Dies verdeutlicht die finanziellen Schwierigkeiten, die mit diesen Restaurierungen verbunden sind. Das Schiff, das 2005 nach 47 Jahren ununterbrochenem Betrieb auf der Route Le Bouveret–Genf über den Genfersee außer Dienst gestellt wurde, lag aufgrund fehlender Mittel zehn lange Jahre im Dock. Erst im Mai 2015 konnten die Arbeiten dank der finanziellen Unterstützung des Vereins der Freunde der Genfersee-Dampfschiffe und des Kantons Waadt endlich beginnen.
Die im November 2016 abgeschlossene Renovierung profitierte von den Erfahrungen, die bei der Restaurierung des baugleichen Bootes „Vevey“ im Jahr 2012 gesammelt wurden. Da die beiden Boote zentimetergenau identisch sind, konnten die Teams auf die zuvor entwickelten technischen Lösungen zurückgreifen, insbesondere für die von spezialisierten Unternehmen in Loire-Atlantique hergestellten Elemente.
Aktuelle technische Herausforderungen
Wiederaufbau der Schaufelräder
Die lange als unzerstörbar geltenden Schaufelräder zeigen nach über einem Jahrhundert intensiven Einsatzes erste Verschleißerscheinungen. Diese massiven und komplexen Bauteile, die mehr als hundert Millionen Umdrehungen absolviert haben, müssen nun ersetzt werden. Die „Vevey“ musste außer Betrieb genommen werden, nachdem Mängel an ihren Schaufelrädern festgestellt worden waren.
Die originalen Schaufelräder, Schlüsselelemente des Schiffsantriebs der Belle Époque, sind komplexe Metallkonstruktionen mit über vier Metern Durchmesser, die durch Gießen, Schmieden und Heißnieten hergestellt wurden. Diese historischen Verfahren, die in der Schweiz heute selten sind, müssen unbedingt beachtet werden, um die Authentizität dieses denkmalgeschützten Bootes zu bewahren.
CGN beauftragte NRCtech mit dem kompletten Projektmanagement. NRCtech mobilisierte ein Netzwerk spezialisierter Partner, die in der Lage waren, die Schaufelradteile unter Einhaltung der Fertigungsprozesse, Abmessungen und Formen der Originalteile herzustellen.
Die Naben, die zentralen Teile der Räder, wurden in Deutschland von der Firma Gietech in Olpe gegossen und werden von der Bunorm AG in Aarwangen im Kanton Bern bearbeitet.
Die Metallkonstruktion der Räder, die im Heißnietverfahren hergestellt wird, sowie die Lackier- und Endbearbeitungsarbeiten werden von einem spezialisierten Unternehmen in der deutschsprachigen Schweiz durchgeführt.
Anschließend werden die Räder geliefert und auf der CGN-Werft in Lausanne-Ouchy am Boot montiert.
Eine Werft unter Druck
Die größte aktuelle Einschränkung liegt in der begrenzten Kapazität der Werft. Es kann jeweils nur ein Schiff im Trockendock liegen, doch mehrere Schiffe benötigen gleichzeitig umfangreiche Sanierungsarbeiten. Bis 2025 werden vier Belle-Époque-Schiffe außer Betrieb sein, was das touristische Angebot auf dem Genfersee drastisch reduziert.
Angesichts dieser Situation erwägt CGN ein umfangreiches Werftausbauprojekt, das den Bau eines zweiten Trockendocks, eines Schwimmdocks und die Modernisierung der Werkstätten umfasst. Die Kosten dieses Projekts werden auf mehrere zehn Millionen Franken geschätzt. Diese Infrastruktur würde schnellere Durchlaufzeiten und eine vorausschauende Wartungsplanung ermöglichen, anstatt erst im Notfall reagieren zu müssen.
Jahrhundertalte Maschinen am Ende ihrer Lebensdauer
Die originalen Dampfmaschinen sind zwar bemerkenswert gut erhalten, benötigen aber zunehmend häufigere Wartungsarbeiten. An der „Rhône“ wurden zwei defekte Kolbenringe entdeckt, als einer der Kolben ausgebaut wurde. Diese Arbeiten konnten aus Zeitgründen im Rahmen der Generalüberholung 2021 nicht abgeschlossen werden. Die Kolbenringe müssen neu gebohrt werden. Durch diesen Vorgang wird der Verschleiß, der das Metall verformt hat, behoben und die Zylinderform wiederhergestellt.
Jeder Eingriff in diese jahrhundertealten Mechanismen erfordert Fachkenntnisse. Mechaniker müssen die Funktionsweise von Maschinen verstehen, die nach Prinzipien und Technologien einer anderen Ära konstruiert wurden, und bei Bedarf moderne Reparaturtechniken anwenden.
Finanzierung: eine anhaltende Herausforderung
Ein öffentlich-privates Partnerschaftsmodell
Die vollständige Restaurierung eines Belle-Époque-Bootes kostet derzeit zwischen 20 und 30 Millionen Schweizer Franken. Bislang wurden sechs von acht Booten für insgesamt rund 110 Millionen Franken restauriert. Die Finanzierung basiert auf einem innovativen öffentlich-privaten Partnerschaftsmodell, das die Stärke dieses Erhaltungsprojekts ausmacht. Die Kosten für die Restaurierung von Belle-Époque-Booten sind mit jedem Projekt gestiegen, insbesondere aufgrund strengerer Sicherheitsstandards, der zunehmenden Komplexität der Bordtechnik und steigender Material- und Fachkräftekosten. Hinzu kommt der Mangel an den notwendigen Experten, der den Einsatz sowohl der Werftteams als auch hochqualifizierter externer Handwerker erfordert.
Die drei Kantone am Genfersee – Waadt (37 % der Anteile), Genf (15 %) und Wallis (4,11 %) – tragen einen erheblichen Teil der Kosten. Der Verein der Freunde der Genfersee-Dampfschiffe, der über seine Stiftung Pro Vapore 22 % des Kapitals der CGN hält, steuerte dank Spenden seiner 20.000 privaten Spender und 4.000 aktiven Mitglieder 40 Millionen Schweizer Franken bei. Dieses öffentliche Engagement zeugt von der tiefen Verbundenheit mit diesem Kulturerbe.
Ein ehrgeiziger 15-Jahres-Strategieplan
CGN hat kürzlich einen „Strategieplan 2025–2040“ vorgestellt, der Investitionen von insgesamt über 600 Millionen Franken vorsieht. Dieses ambitionierte Programm umfasst nicht nur die laufende Modernisierung der Belle-Époque-Flotte, sondern auch die Anschaffung neuer, moderner Schiffe und den Ausbau der Werft.
Diese enorme Summe wirft natürlich die Frage der Finanzierung auf. Die Waadtländer Behörden haben bereits signalisiert, dass sie diese Investitionen nicht allein stemmen können. Eine verstärkte Beteiligung Frankreichs, des Nutznießers der grenzüberschreitenden Verbindungen, wird als unerlässlich erachtet. Die Verhandlungen über die Kostenaufteilung zwischen den verschiedenen Partnern stellen eine große politische Herausforderung für die kommenden Jahre dar.
Fazit
Die Restaurierung der Belle-Époque-Boote auf dem Genfersee ist weit mehr als ein einfaches Denkmalschutzprojekt. Es ist ein außergewöhnliches menschliches und technisches Abenteuer, das Dutzende hochqualifizierter Fachleute mobilisiert, beträchtliche Investitionen erfordert und eine langfristige Vision voraussetzt.
Jede Restaurierung stellt eine einzigartige Herausforderung dar, die historische Forschung, handwerkliches Können, Ingenieurskunst und moderne regulatorische Vorgaben vereint. Die spezialisierten Mitarbeiter der Ouchy-Werft und ihre externen Partner bewahren seltene Fertigkeiten und geben die Techniken, die für den Erhalt dieser unersetzlichen Zeugen der Blütezeit der Schifffahrt auf dem Genfersee unerlässlich sind, von Generation zu Generation weiter.
Die Herausforderungen sind vielfältig: jahrhundertealte Schaufelräder müssen restauriert, Dampfmaschinen überholt, die Werftinfrastruktur ausgebaut und erhebliche Mittel aufgebracht werden. Doch die Entschlossenheit der öffentlichen und privaten Akteure sowie die tiefe Verbundenheit der Bevölkerung mit diesem Erbe lassen uns zuversichtlich in die Zukunft blicken.
Dank dieser gewaltigen Anstrengungen werden die Boote der Belle Époque auch künftigen Generationen auf dem Genfersee begegnen und die Eleganz und Raffinesse einer vergangenen Ära bewahren. Jede Restaurierung ist ein Triumph über die Zeit, ein Bekenntnis zum Wert dieses außergewöhnlichen Erbes und eine Investition in die touristische Attraktivität der Genferseeregion.