Tradition & Know-how

Ein lebendiges Erbe von über 100 Jahren

Die Schiffe der Belle-Époque-Flotte des Genfersees sind nicht bloß in der Zeit erstarrte Museumsstücke, sondern wahre schwimmende Denkmäler, deren Form und Substanz vollständig erhalten sind. Dieses außergewöhnliche Erbe verdankt sich dem Genie des Ingenieurs Gunnar Hammershaimb, dessen Originalpläne bis heute jede Restaurierung mit chirurgischer Präzision leiten.

Die Instandhaltung dieser Stahlgiganten erfordert das Fachwissen eines Goldschmieds, bei dem moderne Innovationen, wie beispielsweise die Verwendung von Kohlenstofffasern für Schornsteine, mit absolutem Respekt vor jahrhundertealten Traditionen verbunden werden.

Die Kunst der Authentizität

Fast ein Jahrhundert lang fuhr das Dampfschiff „Rhône“ ohne seine unverwechselbare visuelle Identität. 1928 brach bei einer Kollision der Bugspriet, und die ursprüngliche Galionsfigur sank auf den Grund des Sees. Dank der von der ABVL zwischen 2019 und 2021 finanzierten Restaurierungsarbeiten erstrahlt dieses Flaggschiff der Flotte nun wieder in altem Glanz. Der majestätische Bronzekopf, der die Göttin Rhône darstellt, wurde von einer spezialisierten Kunstgießerei detailgetreu nachgebildet und unterstreicht unser Engagement für den vollständigen Erhalt der historischen Essenz jedes Schiffes.

Technologisches Genie

Die Bewahrung eines jahrhundertealten Erbes erfordert mitunter den Einsatz futuristischer Technologien. Für die Schiffe „Vevey“ und „Italie“ Revolutionäre Schornsteine, entworfen von der Werft Décision SA, den Experten für die Yachten des Alinghi-Segelteams, wurden installiert. Die aus Kohlefaser gefertigten, modernen Konstruktionen ahmen die ursprünglichen Stahlschornsteine ​​perfekt nach und sind teleskopierbar. Sie lassen sich um 1,50 m absenken, sodass die Boote ohne aufwendige und komplexe Demontage die Tore des Trockendocks für Wartungsarbeiten passieren können.

Schweizer Herztechnik

Die Belle-Époque-Flotte entstand aus der Zusammenarbeit zwischen dem Marineingenieur Gunnar Hammershaimb, der die Pläne für diese acht Schiffe entwarf, und den Brüdern Sulzer aus Winterthur, den unbestrittenen Meistern des Dampfschiffbaus.

Gemeinsam entwickelten sie die „Compound“-Doppelexpansionstechnologie, die für ihre Zeit revolutionär war.

Dieses technische Know-how wird von den Mechanikern aufrechterhalten, die die Kessel zwei Stunden vor jeder Abfahrt wieder unter Druck setzen und so ein hypnotisches Schauspiel schaffen, bei dem die Hitze der Maschinen – die bis zu 200°C erreicht – das stählerne Herz der Schiffe zum Leben erweckt.

Der Dampfkreislauf

Im Herzen des Schiffes wandelt die Dampfmaschine die Energie (gemessen in Temperatur und Druck) von überhitztem Dampf in die Rotation von Schaufelrädern um. Dank ihrer in den Zylindern gleitenden Kolben treibt der Dampf über Pleuelstangen die Schaufelradwelle an, ähnlich wie ein Radfahrer, der in die Pedale tritt. Die Schaufelräder werden von den Schaufeln angetrieben und setzen diese in Bewegung. Indem sie Wasser in die eine Richtung drücken, treiben sie das Schiff in die entgegengesetzte Richtung an.

Schätze an Bord

Jedes Belle-Époque-Schiff der CGN-Flotte birgt ein einzigartiges Erbe. Von den Holzarbeiten bis zu den Metalldetails, von den Salons bis zu den Bugglocken – jedes Element zeugt von der Geschichte der Belle Époque.
Die Raffinesse und das Know-how ihrer Zeit zeugen davon. Die nach den Originalplänen restaurierten historischen Verzierungen verleihen jedem Schiff seine eigene Identität und seinen außergewöhnlichen Charakter.

Außergewöhnliche Handwerkskunst

Jedes Detail der Belle-Époque-Flotte zeugt von höchster Handwerkskunst. Bronzeglocken, Leuchten, Holzarbeiten oder Intarsien: Diese Elemente werden von Kunsthandwerkern, die heute fast ausgestorbene Techniken beherrschen, in Handarbeit restauriert.

Die von ABVL unterstützten Restaurierungen erhalten nicht nur die Schiffe, sondern tragen auch dazu bei, überlieferte Fertigkeiten und Techniken an die nächste Generation weiterzugeben. Jedes einzelne Stück wird anhand historischer Pläne nachgebaut oder restauriert, um die Identität und Authentizität der Boote zu wahren.

Dank dieser anspruchsvollen Arbeit bewahrt die Belle Époque-Flotte den ganzen Reichtum ihres Erbes und setzt gleichzeitig ein außergewöhnliches Niveau an Handwerkskunst fort.

Wusstest du schon ?

Das Rätsel des „Entenhinterns“

Dieser ausdrucksstarke Begriff bezeichnet die unverwechselbare, abgerundete Form des Hecks von Schiffen, die vom Ingenieur Gunnar Hammershaimb entworfen wurden. Mehr als nur ein Ausdruck der Seeleute, das „ Schüssel „Die sogenannte „Entenhinterns“ ist ein architektonisches Merkmal, das es Schiffen ermöglicht, den Wellengang zu minimieren und so eine fließende Eleganz auf dem Wasser zu erzeugen. Für die Besatzung ist sie ein täglicher Orientierungspunkt: Sie fahren zur Anlegestelle, um dort Manöver durchzuführen oder den Wellengang des Schiffes zu bewundern.

Heckansicht des Schaufelraddampfers La Suisse Das Schiff segelt auf dem Genfersee. Der Name „LA SUISSE“ prangt in goldenen Lettern, umgeben von Zierskulpturen. Am Heck weht eine große Schweizer Flagge, und viele Passagiere genießen das Oberdeck.

Die Erinnerung an die Flößer

Früher hieß das " Flößer Der Bootsmann war eine zentrale und unverzichtbare Figur im Leben am Genfersee. Diese ortsansässigen Bootsmänner bildeten die entscheidende Verbindung zwischen dem Festland und den Dampfschiffen und ermöglichten das Anlegen sowie den Umschlag von Passagieren und Gütern zu einer Zeit, als noch nicht alle Anlegestellen für große Schiffe geeignet waren. Die ABVL bewahrt sorgsam das Andenken an diesen heute verschwundenen Beruf – ein wahres Zeugnis der historischen sozialen und technischen Organisation, die einst den See prägte. 

Dampfkultur

Man kann nicht über diese Flotte sprechen, ohne die " Tabazu" Diese liebevolle Bezeichnung bezieht sich auf die Mechanikbegeisterten, die ihre gesamte Reise damit verbringen, durch die Glasfenster der Maschinenräume zu blicken. Ihre Faszination für das hypnotische Spiel der Pleuelstangen und die Stille des Dampfes ist die schönste Würdigung des industriellen Genies von Sulzer und Hammershaimb. Ihre ständige Anwesenheit zeugt von der anhaltenden Begeisterung, die diese schwimmenden Monumente seit über einem Jahrhundert umgibt.

Eine 1915 von Sulzer Frères Winterthur hergestellte Doppelexpansions-Verbunddampfmaschine mit polierten Stahlzylindern, Pleuelstangen aus Messing und Schmiernippeln; eine historische Maschine, die die Schaufelraddampfer der CGN auf dem Genfersee antrieb.

Unterstützen Sie das Marineerbe der Belle Époque am Genfersee

Der Erhalt dieses einzigartigen Weltkulturerbes hängt vom Engagement jedes Einzelnen ab. Ob es sich um die Restaurierung eines Silberbestecks ​​oder die Instandhaltung einer jahrhundertealten Dampfmaschine handelt – jede Handlung trägt zum Überleben dieser außergewöhnlichen Flotte bei.

Mit Ihrer Unterstützung der ABVL ermöglichen Sie es Kunsthandwerkern, seltene Fertigkeiten zu bewahren, und Sie garantieren, dass diese historischen Denkmäler auch künftigen Generationen auf dem Genfersee begegnen werden.